Offizielle Zertifizierung von open62541

Mit dem Open Source-SDK open62541 hergestellter OPC UA-Server erfolgreich zertifiziert

OSADL eG

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open62541 ist die einzige offene, durchgängig in C programmierte Implementierung
von OPC UA, der Weltsprache der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation.
Damit ist die in wesentlichen Teilen am Fraunhofer-Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe entwickelte Software
äußerst ressourcenschonend und läuft auf fast jeder Art von Hardware
vom kleinen eingebetteten System bis zur großen Produktionsanlage. Nun hat
open62541 das entscheidende Gütesiegel bekommen: Soeben gab die OPC
Foundation die offizielle Zertifizierbarkeit von OPC UA-Servern auf Basis der
Version 1.0 des offenen OPC UA-Stacks bekannt.

OPC UA, die Open Platform Communications Unified Architecture, ist der offene Standard,
mit dem jegliche Art von Maschinen im industriellen Kontext miteinander kommunizieren
können. Einzelne Sensoren bis zu kompletten Produktionsstraßen, Kraftwerken
oder Ölplattformen werden in einem serverseitigen Informationsmodell abgebildet
und von einer Client-Software angesteuert. So werden Datenaustausch, intelligente
Datenauswertung und Prozesssteuerung möglich. Als herstellerübergreifender
Standard gilt OPC UA als eine Basis-Technologie für Industrie-4.0-Anwendungen. Herausgegeben,
weiterentwickelt und verwaltet wird OPC UA von der OPC Foundation
mit Sitz in den USA.


open62541 ist eine Open Source-Implementierung des OPC UA-Kommunikationsprotokolls,
die vom indischen Systemintegrator Kalycito und dem Open Source Automation
Development Lab (OSADL) gemeinsam mit dem Fraunhofer IOSB vorangetrieben wird.
Die Softwarebibliothek ist in der Programmiersprache C geschrieben, genauer in der
gemeinsamen Teilmenge von C99 und C++98. „Damit ist die Software mit allen gängigen
Compilern nutzbar und so ressourcenschonend, dass sie auf jeder erdenklichen
Hardware läuft. Sie ermöglicht es gleichermaßen, dezidierte OPC UA-Server aufzusetzen
wie OPC UA-basierte Kommunikation in existierende Applikationen zu integrieren“,
erklärt Dr. Julius Pfrommer, Gruppenleiter Cyberphysische Verteilte Systeme in
der Abteilung Informationsmanagement und Leittechnik (ILT) am Fraunhofer IOSB und
der leitende Softwarearchitekt hinter open62541. Und Bhagath Singh Karunakaran,
Gründer und CEO der Kalycito Infotech Private Ltd. ergänzt: „Wir sind fest davon überzeugt,
dass das Open Source-Entwicklungsmodell für Basis-Technologien wie z.B. Betriebssysteme
und Kommunikation ideal geeignet ist und schneller zu besseren Ergebnissen
führt. Es vermeidet unnötige Parallelentwicklung und sorgt für eine rasche Verbreitung
innovativer Softwarelösungen.“

Die Zertifizierung wurde anhand von einem repräsentativen Beispiel-Server auf Basis
von open62541 durchgeführt. Der zertifizierte Umfang schließt das ›Micro Embedded
Device Server‹-Profil ein, das zusätzlich Subscriptions, Methodenaufrufe und Verschlüsselung
unterstützt. Darüber hinaus unterstützt open62541 Version 1.0 auch die
Kommunikation nach dem OPC UA Publisher/Subscriber-Modell, so dass auch eine
asynchrone Kommunikation mit mehreren Beteiligten möglich ist. Für letzteres wird
von der OPC Foundation aber derzeit noch keine offizielle Zertifizierung angeboten. Lizenziert
ist die Software unter der Mozilla Public License v2.0 (MPL-2.0). Somit darf
die open62541-Bibliothek mit proprietärer Software verlinkt und vertrieben werden.
Nur Weiterentwicklungen der open62541-Bibliothek selbst muss man bei der Weitergabe
wieder unter der MPL-2.0 lizenzieren.


Die aktuellen Entwicklungen werden durch ein OSADL Community-Projekt ermöglicht, an dem die folgenden Unternehmen beteiligt sind:
Balluff GmbH
Heidelberger Druckmaschinen AG
Intel Corporation
iss innovative software services GmbH
Linutronix GmbH
Nestfield Co., Ltd
Pepperl+Fuchs AG
Pilz GmbH & Co. KG
Sick AG
Siemens AG
TQ-Systems GmbH
WIKA Mobile Control GmbH & Co. KG


Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer der Open Source Automation Development Lab
(OSADL) eG dankt den teilnehmenden Unternehmen für die finanzielle Unterstützung,
ohne die das Projekt nicht zustande gekommen wäre. Gleichzeitig weist er darauf hin,
dass mit dieser Zertifizierung das Projekt keineswegs abgeschlossen ist, sondern die
Entwicklung weitergeht – unter anderem zu einer durchgängigen und frei verfügbaren
Lösung für Echtzeit-Ethernet mittels Anbindung an TSN. Dafür seien weitere interessierte
Firmen willkommen: „Je mehr Unternehmen am Projekt teilnehmen, desto leistungsfähigere
und vielseitigere Komponenten können entwickelt und beigesteuert
werden. Das Projekt ist so konzipiert, dass Unternehmen jederzeit auch nach Beginn
des Projekts beitreten können, und daher möchten wir diese Gelegenheit auch nutzen,
um weitere interessierte Unternehmen zur Teilnahme zu motivieren.“


Weitere Informationen:
https://opcfoundation.org/products/view/open62541-server-sdk
https://open62541.org/certified-sdk
https://www.iosb.fraunhofer.de/
https://kalycito.com/opc-ua-sdk/
https://osadl.org/OPCUA

Veröffentlicht am: 30. September 2019
Kategorie: Software